8. Oktober 2007
Artikel in der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza”

In Polen blüht der Medizintourismus
Patrycia Macierewicz

Für Massagen, plastische Operationen oder Zahnbehandlungen gaben Ausländer im letzten Jahr mehr als 65 Mil. Dollar bei uns aus. Dieses Jahr geben sie mind. 1/3 mehr aus. Und wenn wir uns besser vermarkten würden…

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Die Welt hat den Medizintourismus bereits längst entdeckt. Seit Jahren machen sich Scharen von Patienten auf nach Thailand und Indien - den Marktführern auf diesem Markt. Sie lassen sich Zähne einsetzen, die Nase korrigieren und Fett absaugen, aber entscheiden sich auch für wesentlich kompliziertere Eingriffe.

Indische Ärzte sind berühmt für Organtransplantationen und Operationen am offenen Herzen, auch bei Kindern. Dieser Markt ist, laut Aussage des Unternehmensberaters McKinsey, ca. 2 Mrd. Dollar jährlich wert. Bangkok wird sogar auf Grund einer Geschlechtsumwandlung aufgesucht.

Die Welle des Interesses an günstigeren Eingriffen ist auch in Mitteleuropa ausgebrochen. Briten, Deutsche, Franzosen und Österreicher sind tägliche Gäste in ungarischen oder tschechischen Kliniken.

Bis jetzt war Polen kein wahrnehmbarer Teilnehmer auf diesem lukrativen Markt, aber die polnischen Teilnehmer sind eifrigst bemüht dies zu ändern.

Plastische Chirurgen geben zu, dass die Nachfrage nach Ihren Dienstleistungen rapide zugenommen hat. Programme des Typus “Ich will schön sein” wirken ermutigend auf Polinen der Schönheit mit Hilfe des Skalpells nachzuhelfen. Zum zweiten bringen Ihnen  die immer häufigeren Billigflieger aus Deutschland, Grossbritanien und Schweden Kunden, die mit harter Währung zahlen, ein.

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Dasselbe gilt in der Zahnmedizin, nur fallen hier die Rechnungen wesentlich höher aus. – Unsere Klinik ist auf das Einsetzten von Titanimplantaten spezialisiert. Das ist höchste Technologie und dementsprechend teuer, aber in Polen zahlt der Brite für ein Implantat mit Krone die Hälfe als auf der Insel – sagt Marcin Gaborski der Firma HAHS Protodens in Szczecin.

- Wöchentlich behandeln wir 50 Deutsche, Briten, Skandinavier, beschäftigen bereits 12 Ärzte, neun Techniker und sechs Personen, die mit der Kommunikation und Betreuung dieser Patienten betraut sind. Dank der ausländischen Patienten entwickeln wir uns weiter, desletzt investierten wir 700 TSD PLN in ein Computertomographiegerät – sagt Herr Gaborski.

Genesung im Spa

Aber Zahnarzt- und Chirurgenpatienten kommen nicht nur zu schmerzenden und invasiwen Eingriffen. – Oft bleiben sie längere Zeit in Polen, als die medizinischen Schritte in Anspruch nehmen, da man nicht alle Patienten nach Entlassung aus der Klinik direkt ins Flugzeug setzten darf. In diesem Fall fahren Sie gerne noch zur Kur – sagt Ewa Sobiecka des Zentrums Damiana. Ihre Firma , wie bereits viele, arbeiten mit Kuranbietern, Pensionen oder Hotels welche Spamaßnahmen anbieten zusammen.
 
Die Dreierstädte (Danzig, Gdynia und Sopot), Mazuren, Polwysep Helski, und sogar Städte wie Warschau und Stettin – überall dort wo es 4- oder 5-Sterne-Hotels gibt, kommt man nicht ohne ein renoviertes Zentrum oder Spaanlagen aus – sagt Łopaciński.

Bei diesem Business gibt es keinen Unterschied zu Tschechien oder zu der Slowakei, wo in gewaltigem Ausmaß Thermalbäder genutzt werden. – Dort stellt man sich auf Massenbetreuung ein. Es werden große Aquaparks mit Bädern, Rutschbahnen, in denen sich die ganze Familie amüsiert, gebaut. In Polen ist für die meisten ein Spaaufenthalt Luxus. Kowalski wird folglich eher in Karlsbad baden und hierzulande durchschnittlich vermögende Deutsche und Briten beherbergen – erklärt er.

Architekten des Prestiges

Konkrete Daten über die Anzahl der Touristen, die Interesse an einer Behandlung Ihres Aussehens und Ihrer Gesundheit haben, sind schwer abzugeben. Das Institut für Tourismus schätzt mind. 1,5 %, d.h. 16 Mil. Touristen im Jahre 2006 (die Prozentangabe ist ungenau, zeigt aber einen Trend nach oben). Diejenigen, die für einen Tag nach Szczecin, Gorzow oder Zielona Gora für eine Füllung kommen, sind von der Auswertung ausgenommen.

Diese bilden mind. 4 Mil. Personen. Jeder von Ihnen gab im letzten Jahr 250 Dollar in unserem Land aus. Die durchschnittlichen Ausgaben im ersten Quartal 2007 pro Person sind bereits 30% höher und auch die Anzahl der ausländischen Patienten wächst sehr schnell.

Auch wenn diese Einkünfte auf der Wirtschaftsskala kein großes Gewicht haben, erwähnt der Direktor Łopaciński, hat der Medizintourismus für uns eine prestigeaufbauende Bedeutung. – Er bildet ein Bildnis unseres Landes, als einen Ort der Gesundheitsregeneration, den man selbst dann aufsuchen kann, wenn man nicht in bester Form ist.

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Gazeta Wyborcza, 8.10.2007

 


 

Am 14. Januar 2005 zeigte der Sender 3 SAT eine Reportage über Behandlung in der Zahnklinik HAHS

 

 

 

Marcin Gaborski
Czwartakow 3
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